Helferlein


Osho

Das Buch vom EGO“ von der Illusion zur Freiheit“

Wunschlosigkeit

Ganz ohne Wünsche zu sein würde bedeuten, dass du tot bist; dann wärest du nicht mehr lebendig. Aber man hat euch gepredigt: Seid wunschlos!

Aber was kannst du tun? Du kannst dir einen Wunsch nach dem anderen versagen, doch je mehr Wünsche du dir versagst, desto ärmer wird dein Leben. Wenn alle Wünsche ausgemerzt sind, hast du Selbstmord begangen, einen spirituellen Selbstmord.

Nein, Wünsche sind Lebensenergie. Wünschen heißt leben.

Was meine ich also, wenn ich sage: „Sei frei von Wünschen?“

Ich meine es in der zweiten Bedeutung: Du solltest frei sein, völlig frei sein, Wünsche zu haben oder auch nicht.

Wünsche sollten nicht zur Besessenheit werden – das ist die Bedeutung. Du solltest imstande sein … Zum Beispiel, wenn du siehst, dass jemand ein wunderschönes Haus hat, neu erbaut, und es entsteht der Wunsch in dir , ein ebensolches Haus zu haben. Bist du nun frei, diesen Wunsch zu haben oder nicht zu haben? Wenn du frei bist, würde ich sagen, du bist wunschlos. Wenn du aber sagst: „Ich bin nicht frei; dieser Wunsch bleibt bestehen. Selbst wenn ich ihn aufgeben möchte, kann ich es nicht – er verfolgt mich. Ich sehe dieses Haus im Traum, ich denke ständig daran. Ich habe Angst, in diese Straße zu gehen, weil das Haus in mir Neid erweckt; das Haus bringt mich ganz durcheinander ...“

Wenn du sagst; „Ich bin nicht imstande, diesen Wunsch zu haben oder auch nicht zu haben“, dann ist das kein gesunder Zustand. Dann wirst du von deinen Wünschen beherrscht, dann bist du das Opfer. Dann wirst du viel leiden, weil um dich herum Millionen Dinge passieren, und wenn so viele Wünsche von dir Besitz ergreifen, wird es dich zerreißen.

Und genauso passiert es: Ein neuer Kanzler ist gewählt und nun möchtest du auch gerne Kanzler werden. Oder jemand ist Millionär geworden und nun möchtest du auch gerne Millionär werden. Oder jemand ist Bestsellerautor geworden und nun möchtest du ebenfalls Bestsellerautor werden. Der eine ist dies, der andere ist das … um dich herum leben Millionen Menschen, die Millionen Dinge tun. Aus jeder Ecke und Ritze taucht ein Wunsch auf und springt dich an und ergreift von dir Besitz und du bist nicht imstande, ja oder nein zu sagen. Das wird dich verrückt machen.

Auf diese Weise ist die ganze Menschheit verrückt. All diese Wünsche zerren dich in so viele verschiedene Richtungen. Du bist zerstückelt, weil die vielen Wünsche Teile deines Wesens in Beschlag genommen haben.

Und diese Wünsche sind auch widersprüchlich. Dann bist du nicht nur zersplittert, sondern auch im Widerspruch mit dir selbst. Ein Teil von dir will sehr reich werden, ein anderer Teil will Dichter werden – nun wird es schwierig. Es ist sehr schwierig, reich zu werden und dabei ein Dichter zu bleiben. Ein Dichter, der diesen Namen wert ist, kann niemanden ausbeuten. Ein Dichter der diesen Namen wert ist, wird eine Vision der Schönheit in sich tragen. Er kann nicht selbst so hässlich sein und andere ausnutzen, nur um seinen Wunsch zu befriedigen, viel Geld anzuhäufen.

Oder du willst Politiker werden und gleichzeitig willst du auch meditieren, du willst ein meditatives Leben führen. Das geht nicht. Politiker können nicht religiös sein. Sie können zwar so tun, als wären sie religiös, aber zu wahrer Religiosität sind sie nicht fähig. Wie kann ein Politiker religiös sein? Religion ist ihrem Wesen nach Ehrgeizlosigkeit und Politik ist nichts als reiner Ehrgeiz.

Religiosität bedeutet: „Ich bin glücklich, so wie ich bin.“ Politik bedeutet: „Ich werde erst glücklich sein, wenn ich an der Spitze bin. So wie ich bin, bin ich nicht glücklich. Ich muss rennen und mich beeilen, und wenn nötig werde ich auch zerstörerisch sein. Wenn es mit zulässigen Mitteln geht, gut; wenn nicht, dann eben mit unzulässigen Mitteln. Aber ich muss an die Spitze kommen! Ich muss mich selbst beweisen.

Ein Politiker leidet seinem Wesen nach an einem Minderwertigkeitskomplex. Ein religiöser Mensch leidet weder an einem Minderwertigkeitskomplex noch an Größenwahn.

Politiker tun so, als wären sie religiös, weil sich das in der Politik lohnt.

Religiös zu sein, bedeutet, ehrgeizlos zu sein, keinerlei Ehrgeiz zu haben, irgendwo anders oder irgendjemand anderer zu sein, sondern nur hier und jetzt zu sein.

Wenn du nun beide Ideen zugleich hast – ein Politiker zu sein und gleichzeitig ein Meditierender -, dann kommst du in Schwierigkeiten. Du wirst dich selbst verrückt machen. Wenn du ehrlich bist, wirst du verrückt werden. Wenn du unehrlich bist, wirst du nicht verrückt werden, aber du wirst zu einem Heuchler werden. Und das sind eure Politiker.

Und damit ist nicht gesagt, dass all jene, die man in den Religionen findet, nicht ebenfalls Politiker sind. Neunundneunzig von hundert sind auch dort Politiker. Sie betreiben nur eine etwas andere Art von Politik – Religionspolitik. Sie haben ihre eigenen Hierarchien und der Priester will Papst werden – wieder ist es Politik. Oder der Sünder will zum Heiligen werden – wieder ist Politik, wieder ist es ein Minderwertigkeitskomplex.

Sobald einer anfängt, besonders heilig, religiös und fromm zu tun, umgibt er sich mit einem heiligen Ego, mit einem Heiligenschein. Dann spricht aus seinen Augen die Verurteilung anderer – sie sind alle verdammt, nur er wird gerettet werden! Dann schaut er voller Mitleid auf die anderen herunter: Diese Leute werden zur Hölle fahren! - Wieder ist es Politik.

Ein wirklich religiöser Mensch weiß nichts vom Ego. Er ist nicht einmal demütig. Wohlgemerkt, er ist so egolos, dass er nicht einmal demütig ist. Demut ist ebenfalls eine Vorspiegelung des Egos. Der Demütige versucht wiederum, demütig zu sein, er sucht sich zu beweisen: „Ich bin demütig.“ Insgeheim mag er sogar denken: „Ich bin der demütigste Mensch auf der Welt.“ Wieder ist es Ego!

Viele Wünsche werden dich in Besitz nehmen und viele werden widersprüchlich sein und werden dich zersplittern und auseinander reißen. Du verlierst deine Integrität und bist nicht mehr ein „In-dividuum“.

Du fragst: „Was ist Wunschlosigkeit?“

Es gibt also diese beiden Seiten: Entweder man lebt wunschlos – aber dann muss man seine Lebendigkeit völlig abschneiden; dann muss man sich alles versagen. Dann wird man zum Jaina-Mönch – eine leere Hülse, total unzufrieden mit allem und vor allem mit sich selbst, unkreativ und ohne Lebensfreude; man kommt nie zum Blühen. Oder man lebt seine Wünsche aus – aber dann wird man zerrissen. Und beide Zustände sind hässlich.

Das Richtige wäre, so völlig frei zu sein von der Begehrlichkeit, dass man wählen kann. Dann hat man immer die Wahl, ob man etwas haben will oder nicht. Dann ist man wirklich frei.

Dann hast du beides: Kreativität, Lebenslust, die Freude am Wünschen und die Stille, den Frieden und die Gelassenheit der Wunschlosigkeit

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^^O^^